Wie die Rikscha nach München kam!

Vor gar langer Zeit, als in München wirklich noch gar nichts los war, als es München so noch gar nicht gab, wo auf dem Petersbergl nur eine kleine Kapelle zu finden war und keine 200 Meter weiter östlich die Isar dahinrauschte, da fasste der Herrgott sich an den Hut und sagte: “Da unten, da beim Petersbergl, da muss was passieren, da muss Leben her!” In diesem Augenblick hatte Herzog Heinrich der Löwe seinen Einfall, quasi göttliche Inspiration von oben. Wieso nicht einen Marktplatz gründen, ganz in der Nähe zur Kappelle? Denn der Bischof aus Freising, der machte damals schon ordentlich Kohle mit der Erhebung von Zöllen, und wieso dann nicht auch er, der Herzog von Sachsen, vielleicht bald auch Herzog von Bayern und Begründer eines neuen Marktes?

Und so kam es, plötzlich ging alles ganz schnell. Die Brücke vom Bischof brannte (kawumm!), der Lausbub Heinrich war’s und fortan wählten die Händler den Weg über den neuen Marktplatz von und zu München, was damals so viel hieß, wie bei den Mönchen halt, denn denen gehörte die beschauliche Gegend rund ums Petersbergl. Und München wuchs und wuchs und wuchs und wuchs … und wuchs … und wuchs … und dann war es auch schon 1997. In diesem Jahr schaute der Herrgott, wie es mit seinem kleinen Markt so läuft da unten. Da der Herrgott in der ewigen Gegenwart wohnt, wo es keine Zeit gibt, war der natürlich überrascht: “Ja Herrgott”, rief er sich selbst bei einem seiner 10.000 Namen, so überrascht war er, “so groß geworden, in so kurzer Zeit? Und so viel buntes, frohes und freies Leben?!” Er staunte nicht schlecht, welch schöne, grüne, lebenslustige Stadt da am Isarhochufer thronte.

Er beschloss genauer hinzuschauen und steckte seine Nase in den Himmel über dieser Welt und nicht nur das, sondern geradewegs in den Himmel über Bayern, in den Himmel über München hinein: “Ja aber, was stinkt es denn da so furchtbar?”, fluchte der Herrgott, gar untypisch für ihn. “Mia sans ned”, riefen ihm die Metzger gegenüber der Heilig-Geist zu, “wir schmeißen nichts mehr in den Roßbach, wirklich, heute gibt‘s Kanalisation!”

Da kratzte sich der Herrgott an der Stirn: “Kanalisa…was? Und überhaupt, was fahren die Leute denn da für komische Dinger?” Die Metzger lachten: “Die sind‘s, die verpesten die Luft!” Da wunderte sich der Herrgott, der schon lange nicht mehr auf der Erde vorbeigeschaut hatte: “Ja aber, der Mensch, meine Schöpfung, ist der so ein Volldepp, die Luft so zu verpesten? Weiß der denn nicht, dass er sich damit den Ast absägt, auf dem er sitzt und den ich extra für ihn hab wachsen lassen?” Die Metzger schwiegen. “Und überhaupt, wieso diese Hatz und Eile überall, hatte ich nicht allen Menschen und gerade den Bayern die göttliche, ja heilige Gemütlichkeit mit auf den Weg gegeben? Wo ist der Genuss des Augenblicks, ja sag a mal, ich habe fürwahr zu lange nicht vorbeigeschaut. Da muss was gemacht werden!” Und so gab es wieder mal eine Inspiration von oben und einige Pioniere tauchten 1997 wie aus dem Nichts auf dem Marienplatz auf, mit Fahrradrikschas… Fahrradwas? Die Münchner staunten nicht schlecht: “Was is jetza nachert des? Ja, san mia jez scho in Asien oder was oder is Asien jetzt hier oder wia?” Der Herrgott freute sich gar sehr: “Jetzt wird die Luft besser da unten und die Gemütlichkeit hält auch wieder Einzug!” Die Münchner klatschten, nur ein paar Taxler schmollten: „Dann fahrt’s halt auch Rikscha und tauscht Sitz gegen Sattel“, rief der Herrgott noch, bevor er wieder in der ewigen Gegenwart verblasste. Und so kam’s also, das plötzlich, von heut auf morgen Rikschas auf Münchens Straßen fuhren. Und so fahren sie auch heute noch, immer schön gemütlich!