Rikschas in der Innenstadt, wie gehts weiter?

Das erste Mal seit 5 Jahren wird es 2018 zur Saisoneröffnung am 1. April keinen offiziellen Standplatz mehr für Rikschas in der Innenstadt geben. Der Grund ist die Umgestaltung des Marienplatzes zur Fußgängerzone.

Der Marienplatz ist schön geworden. Die Umgestaltung hat sich gelohnt. Der Platz wirkt viel größer als vor der Umgestaltung. Wir Münchner Rikschafahrer wollen hier weiter vertreten bleiben. Rikschas werden in Deutschland juristisch als Fahrräder behandelt. Fußgängerzone ist Fußgängerzone, da dürfen Fahrräder nicht rein. Daher wünschen wir uns eine Sondergenehmigung für Rikschas in München, wie es sie ja auch für Freischankflächen in der Fußgängerzone gibt. Wir verdienen schließlich auch unser Geld in der Innenstadt, als Stadtführer auf drei Rädern. Und in der Hochsaison gibt es zwischen 200 und 250 Rikschafahrer in der Innenstadt, um Gäste aus aller Welt in München Willkommen zu heißen und Münchner Bürgerinnen und Bürgern die letzte Meile zu versüßen. Für Menschen mit Behinderung wollen wir in Zukunft einen Sondertarif einführen, damit sie sich zu den Ärzten in den Fußgängerzonen bringen lassen können.

Der bisherige Standplatz vor dem Traditionskaufhaus Ludwig Beck. Für die Zukunft erhoffen wir uns eine abgespeckte Version und Sondergenehmigung für 5 Stellplätze mit großzügiger Nachrückzone in der Diener- oder Burgstraße, eine Lösung, wie wir sie vor drei Jahren entlang des Hugendubel-Hauses hatten mit Stellplatz für 5 Rikschas am Fischbrunnen.
Der bisherige Standplatz vor dem Traditionskaufhaus Ludwig Beck. Links ist der fortschreitende Ausbau zur Fußgängerzone zu sehen. Für die Zukunft erhoffen wir uns an selber Stelle eine abgespeckte Version und Sondergenehmigung für 5 Stellplätze mit großzügiger Nachrückzone in der Diener- oder Burgstraße. Das wäre eine ähnliche Lösung, wie wir sie vor drei Jahren entlang des Hugendubel-Hauses hatten mit Stellplatz für 5 Rikschas am Fischbrunnen.

Wie sollen wir in Zukunft die Gäste Willkommen heißen, wenn wir selbst im Zentrum Münchens nicht mehr Willkommen sind? Rikschas sind nicht nur ein Aushängeschild für Nachhaltigkeit, sondern wir Münchner Fahrer sind Botschafter der Stadt und noch dazu Infosäulen für die Touristen. Infosäulen wo es menschlich zugeht und kein Roboter sagt wo es langgeht. Und seit Ende 2017 sind erstmalig 20 Rikschafahrer von der Stadt München, vom Tourismusamt, zu Gästeführern auf Rikschas ausgebildet worden. Das ist einmalig in Deutschland und ein Meilenstein für uns in München.

In der Vergangenheit wurden ab und zu auch Bedenken wegen der Sicherheit vorgebracht. Aber Rikschas sind aufgrund ihrer Bauweise in Fußgängerbereichen sicherer als Fahrräder. Da es sich um Dreiräder handelt, ist es möglich langsamer als Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Ein Irrtum, dass es sicherer ist, wenn der Fahrer der Rikscha absteigt, um sie zu schieben. Denn eine Rikscha kann nicht umkippen. Der Fahrer kann die Geschwindigkeit der Rikscha optimal an die Geschwindigkeit von Fußgängerströmen anpassen und muss dafür nicht einmal absteigen. Wir haben dafür sogar ein neues Wort erfunden: „Die Kriechgeschwindigkeit.“ Und so kriechen wir zum Ziel, wenn das Fußgängeraufkommen hoch ist. Das hat auch die Umweltministerin Frau Scharf letztes Jahr genießen dürfen. Denn Fußgänger haben bei uns immer Vorrang. Und die Gäste wissen es zu schätzen, wenns mal langsamer geht als sonst. Denn so lässt sich der Augenblick mal wieder richtig genießen bei all der Hatz und Eile heute, bayrische Gmiatlichkeit auf drei Rädern eben. Sogar die Angela, die Frau Merkel, unsre alte neue Kanzlerin, hat sichs letztes Jahr kurz überlegt.

Wir sind optimistisch, dass die Zukunft gut aussieht. Wir Münchner Rikschafahrer haben die letzten Jahre sehr viel getan und erfolgreich mit der Verwaltung der Stadt München zusammengearbeitet. Diese Kooperation hat inzwischen Vorbildcharakter für andere Kommunen in Deutschland. Fünf Jahre gab es auf dem Marienplatz eine geordnete Standplatzlösung, die letzte befand sich vor dem Traditionskaufhaus Beck. Die Eigentümer haben sogar letztes Jahr eine Promoaktion mit uns gemacht. Und hier möchten wir gerne bleiben. Vorstellbar wäre ein Standplatz mit 5 Stellplätzen und großzügiger Nachrückzone in der Burg- oder Dienerstraße, wohlgemerkt, es gibt bis zu 250 Fahrer im Hochsommer, irgendwo müssen wir stehen. Wir haben uns dazu bereits letztes Jahr mit Bürgermeister Schmid getroffen, der uns herzlich im Rathaus Willkommen geheißen hat und uns seine Unterstützung zusagte. Gestern haben wir als Vertretung der Münchner Fahrer unter dem Dach des ADFC Kreisverband München e.V. außerdem vor dem Bezirksausschuss Altstadt/Lehel vorgesprochen und wurden von den Vorsitzenden Neumer und Püschel sehr freundlich empfangen. Wir freuen uns darauf gemeinsam eine Lösung zu finden. In München braucht es eine Sondergenehmigung für Rikschastellplätze in der Fußgängerzone und Innenstadt. Die letzten Jahre haben gezeigt, Rikschas sind eine Bereicherung für die Innenstadt, aber wie immer entscheidet natürlich die Einstellung des Einzelnen. Wer heute noch denkt, Rikschas in der Innenstadt allgemein oder auf dem Marienplatz im besonderen stören, den laden wir ein bei uns mitzufahren und das einmalige Rikschagefühl zu erleben, wenn der Sommerwind durch die Haare fährt und der Fahrer Geschichten und Anekdoten zum Besten gibt und nebenbei noch den Touristen freundlich den Weg zum Hofbräuhaus weist. Rikschas gehören zu München, wie der Schaum aufs Weißbier. Ohne ist’s nur halb so schön.

Präsentation: Rikschas in der Innenstadt